Newsletter 05.03.2016

Zur gut besuchten Informationsveranstaltung am Dienstag, dem 23. Februar 2016 konnten wir etwa 40 Anwesende, Helfer und interessierte Bürger, darunter auch zwei syrische Neubürger, im Haus des Gastes begrüßen. Von den aktuellen Flüchtlingszahlen im Amt Röbel-Müritz bis zu emotionalen Berichten aus der praktischen Arbeit mit den Flüchtlingen reichte die Bandbreite der Beiträge. Es entstand ein facettenreiches Bild der bereits erzielten Erfolge und der noch vor uns liegenden Herausforderungen.

 

Fakten aus dem Amt Röbel-Müritz

Renate Utecht, Leiterin des Ordnungsamtes Röbel, gab einen Überblick über die Entwicklung der Flüchtlingszahlen: Dank ausreichendem Angebot an leer stehenden Wohnungen im Amt Röbel, der zunehmend besseren Zusammenarbeit aller Ämter, aber auch dem Engagement der Bevölkerung und der ridato-Flüchtlingshilfe hätten bisher alle Neuankömmlinge eine angemessene Unterkunft gefunden.

Am Stichtag 19.02.2016 waren im Amt Röbel-Müritz insgesamt 237 Flüchtlinge untergebracht, wobei die Zahl aufgrund von Ab- und Zuwanderung ständig variiere. Im Einzelnen leben in Röbel 107, in Ludorf 59 (davon 56 in der Jugendherberge Zielow bis Ende Februar, sie werden eine neue Bleibe u.a. in Wohnungen in Mirow finden), in Wredenhagen 21, in Bütow/OT Dambeck 19, in Bollewick/OT Kambs 12 und in Rechlin 19 Flüchtlinge. Auch der Status (Flüchtling, Asylberechtigter, Duldung) lasse sich nicht einwandfrei erfassen, weil sich die Situation ständig ändere. Unter den Geflüchteten sind 27 Kinder bis 6 Jahre und 41 Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 18 Jahren.

196 Geflüchtete kommen aus Syrien (83 %), 21 aus Afghanistan (9 %), der Rest verteilt sich auf die Länder Ukraine, Somalia, Ghana u.a. Direkt in der Stadt Röbel leben 78 Syrer, 10 Ukrainer, 9 Afghanen, 5 Somalier, 3 Ghanaer, 1 Eritreer und 1 Albaner.

(Anm.: Alle Zahlen geben den Stand am 19.02.2016 wieder).

 

Soziale Betreuung dezentral untergebrachter Flüchtlinge durch das CJD

Peter Scheifler (CJD) führte aus, dass z.Zt. vier Kollegen im Amtsbereich Röbel für die dezentrale Betreuung der Asylbewerber zuständig seien. Die Aufgaben seien vor allem die Hilfe bei der Alltagsbewältigung, Unterstützung bei Amtsvorgängen und der Zuführung der Geflüchteten zur evtl. notwendigen medizinischen Versorgung. Hierbei sei aber auch die ridato-Flüchtlingshilfe/Röbel eine wichtige Unterstützung.

Der große Zustrom an Geflüchteten insbesondere im Herbst 2015 zeigte aber auch Engpässe in der Personalkapazität behördlicherseits. Inzwischen seien sowohl im Landkreis als auch deutschlandweit die notwendigen Strukturen im Aufbau, sodass sich die Situation entspanne. Die Begleitung der Flüchtlinge durch Paten werde als hilfreich empfunden.

Die Flüchtlinge aus der Jugendherberge Zielow würden teilweise in der Schamper Mühle und in Mirow untergebracht. Etliche hätten aber inzwischen auch ihre Aufenthaltserlaubnis erhalten und fallen nach Abschluss des Asylverfahrens aus der Intensiv-Betreuung des CJD heraus.

Peter Scheifler wünscht sich Anreize, dass Flüchtlinge im Amtsbereich Röbel bleiben und nicht in die ohnehin überlasteten Ballungsräume abwandern. Er weist darauf hin, dass während der ersten drei Monate des laufenden Asylverfahrens für die Flüchtlinge Residenzpflicht besteht, d.h. sie dürfen sich nur innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns frei bewegen.

Die anlässlich des Neujahrsempfangs vom Land Fleesensee gespendeten 7 Fahrräder seien an Flüchtlinge in den Außenbezirken des Amtes Röbel vergeben worden.

Derzeit (Stand Ende Februar 2016) betreut das CJD 168 Personen im Amtsbereich Röbel, davon 98 in der Stadt Röbel und 70 im Umland.

 

Aus dem Verantwortungsbereich der ridato-Koordinatoren

Deutschunterricht: Inzwischen sind im Deutschunterricht gefestigte Strukturen eingeführt. Die VHS als Träger bildete zwei Klassen, die an 3 Tagen der Woche jeweils eine Doppelstunde Deutschunterricht erhalten. Darüber hinaus werden Flüchtlinge, die aus nicht förderungswürdigen Ländern kommen, ebenfalls an 3 Tagen pro Woche von ehrenamtlichen Kräften unterrichtet. Hierunter fallen auch die Neuzugänge ab dem 1.1.2016, weil das staatliche Budget zwischenzeitlich ausgeschöpft ist. Z. Zt. engagieren sich insgesamt 8 Lehrkräfte im Deutschunterricht. Ergänzend dazu findet eine intensive Förderung des Deutschunterrichts durch ehrenamtliche Helfer im häuslichen Bereich der Geflüchteten statt, wo individuelle Hilfe und Anregung möglich ist. Zwei Lehrkräfte erteilen an der Regionalschule Röbel Kindern mit Migrationshintergrund 17 Stunden Deutschunterricht pro Woche.

Kleiderkammer: Seit ihrem Bestehen im November 2015 hat sich die Kleiderkammer in der Warener Chaussee neben ihrer eigentlichen Funktion auch zu einem sozialen Treffpunkt für Geflüchtete und Bürger entwickelt. Hier finden Kleidung, Haushaltsgegenstände und Möbel neue Besitzer unter den Bedürftigen. Die Spendenbereitschaft der Bevölkerung ist groß.

Im Februar ist es gelungen, von der Stadt Röbel zwei weitere Räume im selben Stockwerk des Hauses für eine Erweiterung der Kleiderkammer zu erhalten. ridato plant hier eine Selbsthilfe-Werkstatt, in der die Geflüchteten Werkzeug und Haushaltsgeräte für anfallende Arbeiten zu Hause ausleihen können und hofft auf diesbezügliche Spenden. In einem Raum soll Gelegenheit zur Hausaufgabenhilfe für Flüchtlingskinder gegeben werden. Darüber hinaus strebt ridato einen Internet-Arbeitsplatz an, wo Flüchtlinge zweckdienliche Informationen und Weltnachrichten abrufen können. Dazu wird eine Erweiterung der Öffnungszeiten erwogen. Im Sommerhalbjahr ist auch eine Fahrradwerkstatt und –verleihstation geplant. (Siehe hierzu unseren Spendenaufruf am Ende des Newsletters.)

Spendengelder: Die Spendengelder für ridato werden zur besseren Verwaltung zukünftig auf dem eigenen Konto konzentriert. Zwischenzeitlich erfolgte die Abrechnung des Spendenkontos beim Flüchtlingsrat Schwerin und alle dort eingegangenen Spenden wurden ordnungsgemäß auf das ridato-Konto überführt.

Flüchtlingsbegleitung: Zwei ganz unterschiedliche Beiträge von ridato-Helfern zeigten die ganze Bandbreite der Anforderungen und Erfahrungen bei der Begleitung von Flüchtlingen auf: Die Aufgabe bestehe in erster Linie als Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei sei eine ausgewogene Mischung aus Distanz und Nähe notwendig. Als Begleiterin müsse man auch lernen, mit extremen Reaktionen umzugehen, wenn das Warten auf eine Entscheidung allzu sehr an den Nerven der Beteiligten zerrt.

Die Handys der Geflüchteten stellten den Kontakt zu ihren Familien her, böten Übersetzungsmöglichkeit und wichtigste Bezugsquelle von Nachrichten, sowohl persönlicher als auch politischer Natur. Sie bergen Fotos der Familie, des früheren Lebens. Auch Dokumente seien darin archiviert. Manche hätten auf ihrem Weg hierher die Familie verloren und waren dank dieser Handys in der Lage, sie wiederzufinden. (Den vollständigen Bericht finden Sie hier: http://ridato.de/erfahrungsbericht-einer-fluechtlingspatin-anlaesslich-der-ridato-info-veranstaltung-am-23-2-2016/)

Anschaulich schilderte eine weitere Begleiterin ihre eigene Entwicklung von der zunächst Flüchtlingen gegenüber skeptischen Bürgerin zur nunmehr überzeugten und sehr engagierten Helferin.

 

Mitteilungen

Röbel wurde vom Flüchtlingsrat MV e.V. als einer von 10 Standorten für das UNHCR-Flüchtlingszelt ausgewählt. Die Veranstaltung des Flüchtlingsrates wird ridato mit dem schon länger geplanten Röbeler Willkommensfest im Hafenbereich im Mai 2016 verknüpfen. Der genaue Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben.

Nach einem neuen Beschluss dürfen zukünftig auch alle geflüchteten Jugendlichen im Alter von 16 bis 18 Jahren eine berufliche Schule besuchen.

Um die Integration weiter voranzubringen, sucht ridato für die arbeitsfähigen Flüchtlinge Praktikumsplätze in allen Branchen.

Susann Richter, Vereinstrainerin des TSV 90, ist die Ansprechpartnerin für an sportlicher Betätigung interessierte Flüchtlinge und lädt zu den verschiedenen Sportgruppen ein. Kontaktaufnahme über E-Mail: info@tsv90-roebel.de

Ein besonderer Dank geht an Petra Beyer von der Stadtbibliothek Röbel, die zu einer wichtigen Anlaufstelle der Röbeler Flüchtlinge geworden ist und in ihrer Einrichtung stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Neubürger hat.

Erfreulicherweise zeigten am Ende einige Besucher ihr Interesse an einer Mitarbeit bei ridato und hinterließen ihre Kontaktdaten.

Monika Lempe


Spendenaufruf im März

Wir möchten unseren neuen Mitbürgern bei Bedarf als Leihgabe folgende Dinge zur Verfügung stellen und suchen dafür freundliche Spender:

  • Werkzeuge für Reparaturen im Haushalt
  • Malerbedarf für Renovierungsarbeiten
  • Werkzeuge & Ersatzteile für Fahrrad-Reparaturen
  • eine Nähmaschine, Nähzeug, Bügelbrett und Bügeleisen
  • Fahrräder (ggf. auch leicht reparaturbedürftig)
  • eine Auto-Kindersitzerhöhung und eine Babyschale (Gruppe 0)

Darüber hinaus suchen wir weiterhin: Taschen & Koffer, Musikinstrumente, Lampen, Teppiche, Radios & Fernseher, Computer, Bürobedarf.

Gerne nehmen wir in unserer Kleiderkammer in der Warener Chaussee 3 Ihre Spenden entgegen. Öffnungszeiten: Montag 15 – 17 Uhr, Mittwoch 10 – 13 Uhr, Donnerstag 10 – 13 Uhr. Wenn Sie Möbel abgeben können, rufen Sie uns bitte an: Tel. 039931-79028

TS/ML