Newsletter 06.12.2015

In der Arbeit mit den zu uns kommenden Menschen ist kein Tag, wie der andere. Abwechslungsreich und spannend ist es immer.  Am 26.11.15 fand in Zielow in der Jugendherberge ein rauschendes Fest mit den dort lebenden Menschen statt. Ich war tief bewegt mit welcher Lebendigkeit und Lebensfreude Männer und Frauen dort tanzten. Was haben sich Menschen nach all dem Schrecklichen und dem Verlust der Heimat und den aktuellen Schwierigkeiten mit dem neuen Leben, dennoch bewahrt. Ich wünschte viele würden das sehen

Auch sehr interessante Gespräche gab es, in dem ich u.a. direkt gefragt wurde, wie wir die zu uns kommenden Menschen sehen. Vor allem aber werde ich immer wieder mit der Frage nach dem, wer wir sind, was uns ausmacht und wie wir denn definiert sind konfrontiert.

Viele Familienväter sind auch bei uns ohne ihre Angehörigen zu uns gekommen. Die Flucht ist unglaublich teuer und sehr gefährlich, so dass sie oft von Frauen und z.T kleinen Kindern nicht bewältigt werden kann. Die Männer hier haben Heimweh nach ihren Frauen und Kindern. Es ist eine große Not der Väter, die in nicht wenigen Fällen ihre Babys noch nie im Arm hatten. Sie klammern sich an jedes Bild und jedes Video, empfangen über das Mobiltelefon. Das behördliche Prozedere fordert ein großes Maß an Geduld und Kraft. Die Aussicht, dass der Familiennachzug weiter erheblich erschwert werden soll, lässt manch einen verzweifeln. Wie dann Integration gelingen soll muss man dringend hinterfragen.

Viele der in Röbel angekommenen Menschen werden uns wieder verlassen, um in die großen Städte zu ziehen, wo sie sich mehr Chancen auf Arbeit erhoffen. Aber es gibt auch einige, die bei uns bleiben wollen. Ihr Weg sich hier zu Hause zu fühlen wird ganz davon geprägt sein, wie sich Menschen von hier öffnen und bereit sind, sich auf Begegnung einzulassen. Die zugezogenen Menschen wollen sich einbringen und uns zeigen, woher sie kamen, wer sie sind. Besonders die Syrer kommen aus einer Jahrtausende alten Kultur. Da gibt es unglaublich viel zu entdecken.

Mit Sicherheit ist es wichtig, begleitend dazu seriöse Informationen zu allen möglichen Themen zu geben. Im Fokus steht da „der Islam“, über den wir leider in der Regel nur etwas in seiner rigiden Auslegung und gesetzestreuen Umsetzung bis hin zum Radikalismus wissen. Dabei gehen leider oft die liberalen, aufgeklärten, säkularen, gläubigen Menschen unter. Im Dialog können alle Seiten nur gewinnen.

Im Landkreis entwickeln sich derzeit viele Projekte zur Arbeit mit geflüchteten Menschen. Ridato ist gut vernetzt und bekannt. Allgemein besteht im Moment die Notwendigkeit der Abstimmung der Koordination und Zusammenarbeit offiziell beauftragter Institutionen der Betreuung von Ausländern und dem Ehrenamt. Es sind Gespräche geplant, um die gesamt  gesellschaftlich aufgeworfene Frage der Integration zu gestalten. Dabei treten allgemeine Probleme, wie z.B. der öffentliche Nahverkehr, oder die verwaltungstechnischen Prozedere für bedürftige Menschen schlagartig in den Fokus. Strukturen fallen hier nicht selten auf, weil sie für ganz andere Bedarfe ausgedacht worden waren.

Bei uns leben aktuell in Röbel ca. 102 Menschen.

In Waren mit dem ÜAZ als Initiator und Träger wurde landkreisweit vergangene Woche ein Zeitungsprojekt gestartet. Von geflüchteten Menschen für geflüchtete Menschen. Auch aus Röbel werden die Leute vertreten sein. Man darf sehr gespannt sein, wie das inhaltlich umgesetzt werden wird.

Ridato plant am 16. oder 17.12.15 in der Synagoge in Röbel ein weihnachtliches Event. Es wird ein paar Überraschungen geben und wir freuen uns sehr auf einen schönen Nachmittag miteinander. Sobald der Termin feststeht kommt umgehend eine entsprechende Information. Am 10.12.15 um 16:00  sind Interessierte in die Synagoge eingeladen für die Weihnachtsfeier ein paar Lieder einzuüben.

Bei den Sachspenden kam es zu einem Koordinatorenwechsel. Wir bedanken uns ausdrücklich herzlich bei der leider erkrankten bisherigen Koordinatorin, die mit dem Aufbau der Kleiderkammer einen besonders wichtigen Beitrag zur Umsetzung von Hilfe an zu uns kommenden Menschen geleistet hat. Wir hoffen, dass sie schnell wieder auf die Beine kommt.

Für den Deutschunterricht wird informiert, dass nach der Weihnachtsfeier erst einmal Pause ist. Im neuen Jahr, in der Woche vom 4.Januar 2016 wird der Unterricht fortgesetzt. Genaue Zeiten und Örtlichkeiten werden vorher noch publik gemacht.

In Osamas Angelegenheiten, seine Familie nachzuholen, muss nun das übliche Verfahren durchlaufen werden. Hierfür ist leider doch noch mehr Arbeit notwendig, als erwartet. Ich bin mit seiner Frau in engem Austausch. Dem Kleinen geht es im Moment nicht wirklich gut. Ich hoffe und setze alles daran, die Situation der Familie schnell positiv zu verändern. Es gibt nicht wenige Menschen die hierbei involviert sind.

Morgen ist der Zweite Advent. Es wird wieder ein wenig heller. Ich erlebe dass viele der zu uns gekommenen Menschen auch hier nach unseren Traditionen und nach Glauben fragen. Sie möchten uns verstehen.

In diesem Sinn wünsche ich uns allen gute, ehrliche und authentische Begegnungen in einer hoffentlich nicht nur mit Hektik und Geschäftigkeit ausgefüllten Vorweihnachtszeit.

Advent bedeutet Ankunft.