Newsletter 17.04.2016

Es ist April. Frühling an der Müritz. Die Zeit des Aufbruchs. Und das nicht nur in der Natur. Wohl noch nie in der turbulenten Zeit von ridato hat es so viele Veränderungen in kurzer Zeit gegeben. Menschen brechen auf zu neuen Ufern. Immer mehr, die uns im letzten Jahr wertvoll geworden sind, die unser Leben reicher werden ließen, verlassen Röbel und suchen sich ein eigenes Nest. Manchmal freiwillig, manchmal unfreiwillig, weil es an Wohnung, medizinischer Betreuung und/oder passender Arbeit fehlt. Für manche aber ist unsere kleine, heile Welt auch einfach nur zu klein und sie suchen den Trubel der Großstadt mit den hier vorhandenen Möglichkeiten.

Wir haben es von Anfang an gewusst – Röbel ist eine Station auf einer langen Reise – wir können nur beim Start in das eigene, neue selbstbestimmte Leben helfen. Und das haben wir getan. Und werden es auch weiterhin tun.

Doch für die, die sich zum Bleiben entschlossen haben, ergaben sich wunderbare Möglichkeiten.

100_4378Das Angebot der Firma Kuhnle Tours in Rechlin, sich über Arbeitsmöglichkeiten im Handwerk, aber auch in der Gastronomie zu informieren, wurde von elf Männern und einer Frau dankbar angenommen. Der Tag war ein voller Erfolg und gab Vielen wieder Lebensmut und Hoffnung. Sogar Wohnmöglichkeiten können bei Eignung gestellt werden! Die Bezahlung erfolgt nach Mindestlohn. Es kann in Vollzeit oder Teilzeit gearbeitet werden, so dass auch die Teilnahme am pflichtigen Integrationskurs möglich wäre. Zu schön, um wahr zu sein? Wir hoffen mal nicht.

 

Weitere Personen können auf einen Praktikumsplatz hoffen. Dieser Wunsch hat sich für Husam schon erfüllt. Er kann in der Medienwerkstatt des ÜAZ in Waren seine Kreativität und Professionalität als Mediengestalter ausleben. Das konnte er bereits bei der Gestaltung der Flüchtlingszeitung „The Voice of UNS“ beweisen. Nun arbeitet er an einem Logo für ridato, an unseren Einladungskarten und Flyern für das große Fest am 12. Mai.

Endlich auch sind alle unter 18-Jährigen in einer Schule! Das war ein nicht zu verstehender langer Weg, denn sind es nicht gerade die Kinder, die eine Chance verdienen? Und die dank guter Bildung die besten Aussichten hätten, dem Staat nicht „auf der Tasche zu liegen“? Doch Bürokratie und fehlender Wille Einzelner setzen der Logik oft Grenzen. Die Schulpflicht besteht nämlich nur bis zum 15. Geburtstag, so dass Hani, Behnaz und Abdallah zum Beispiel nicht zur Schule gehen durften und sich nun in einer speziellen Integrationsklasse in Waren sehr wohl fühlen.

Was gibt es sonst noch Neues?

Wir danken dem Lions Club Waren/Röbel für eine großzügige Spende, die es uns ermöglicht, die Fahrrad- und Selbsthilfewerkstatt neben der Kleiderkammer aufzubauen. Thomas Schulz und seine Heferinnen und Helfer machen hier eine tolle Arbeit!

Abu Karm heißt seit seiner misslungenen Fotoaktion beim Zirkus Barlay „Abu Tiger“. Bei einem Selfie kam er dem Raubtier zu nahe und bekam die Pranke des Tigers zu spüren. Ja, auch das Leben in unserer kleinen idyllischen Stadt kann ganz schön gefährlich sein.

Mostafa, der Schwedenfahrer erwartet diese Woche mal wieder seine Frau und die drei Kinder, die in Schweden Asyl beantragt haben.

Der Wünnowweg wird zum 1. Mai leer gezogen und die verbliebenen Bewohner auf andere Wohnungen in Röbel verteilt.

Und: Alle sind schon ganz aufgeregt und sprudeln über mit Ideen zum großen Fest am 12. Mai in Röbel, das ridato zusammen mit dem Flüchtlingsrat MV am Hafen plant. Von 12 bis 19 Uhr gibt es dann für Alt- und Neu-Röbeler die Möglichkeit sich zu informieren: über den Krieg in Syrien, das Leben in den Lagern, die Flüchtlingssituation in Deutschland. Aber auch mit Menschen ins Gespräch zu kommen, arabisches Essen zu probieren, Tee in der Kleiderkammer zu trinken und mit dem HeartChor gemeinsam zu singen.

Also unbedingt den 12. Mai vormerken! Das genaue Programm folgt.

 

Kathrin Grumbach