Newsletter 22.11.2015

Kurz vor Beginn der Adventszeit, wieder ein neuer Bericht über unserer Arbeit. Einige der hier gelandeten Menschen sind mittlerweile aus ihrem unsicheren Status heraus und haben den Bescheid vom BAMF als Flüchtlinge anerkannt zu sein. Sie werden sich nun auf den Weg machen, hier bei uns zu leben. Jeder mit seiner Geschichte im Gepäck und seinen Wünschen und Sehnsüchten. Hoffentlich können sie wirklich Fuß fassen und finden wenigstens etwas, von dem was sie suchen.

Leider gibt es auch Dinge die nicht gut ausgehen. Der junge Syrer mit der Kriegsverletzung am Knöchel hat sein Bein unterhalb des Knies verloren. Es ist nicht auszuschließen, dass die lange Zeit vom ersten Kontakt zu einem Arzt im Auffanglager bis zur nötigen Behandlung in einer Klinik den Verlust des Unterschenkels verursacht haben. Wir, das heißt sein Pate und ich und seine Freunde in Röbel versuchen nun, so gut es geht, dem jungen Mann zu helfen. Es sind schon Kontakte zu weiteren offiziellen Stellen geknüpft, um wenigstens eine vernünftige Rehabilitation hinzubekommen.Da es wahrscheinlich ist, dass das Asylbewerberleistungsgesetz hier rigide und zu Ungunsten des Betreffenden interpretiert worden ist, wird der Syrer auch einen Anwalt konsultieren.
Der Flüchtlingsrat MV unterstützt dabei ebenfalls. Ich bin mittlerweile dort Mitglied.

Ein weiteres Feld ist die Versorgung und Begleitung der minderjährigen, unbegleiteten Jugendlichen. Auch hier setzt ridato sehr ein. Am vergangenen Mittwoch fand zum ersten Mal Supervision statt. Es wurde deutlich, wie dringend dieses Angebot ist, um mit der Arbeit und dem, was uns dort begegnet umzugehen. Wir wollen uns im Januar wieder treffen. Es wird viel möglich sein. Wir habe großes Glück, Zugriff auf diese Möglichkeit zu haben.

Ab kommenden Mittwoch 25.11.15 bin ich immer Mittwochs von 10:00 bis 12:00 im Jungendhaus in Röbel anzutreffen. Ich biete an, mich dort zu treffen, Infos zu bekommen, sich bei Interesse für eine Mithilfe bei ridato mit mir abzusprechen. Auch die zu uns gekommenen Menschen können mich in der Zeit dort treffen.

Im Amtsbereich Röbel leben aktuell 189 geflüchtete Menschen. In Kambs und Dambeck leben nun auch drei Familien aus Afghanistan und eine Gruppe Syrer.

Nun zu den wirklich guten Nachrichten:

Am 17.11.15 um 20:00 haben sich ca. 150 Menschen auf dem Marktplatz in Röbel getroffen, um ein Zeichen der Solidarität und für Humanität, Demokratie und unsere offene Gesellschaft zu setzen. Angeregt von einem „Neuröbler“ aus den Reihen der geflüchteten Menschen. Und es waren viele da. Auch aus Zielow kamen viele. Wir konnten einen Kreis um den Marktplatz schließen. Ein gutes Zeichen in diesen aufgeregten Tagen voller schlimmer Nachrichten.

Unsere Spendenaktion für Kenan ist ein voller Erfolg! Die Flugtickets für die Familie können bezahlt werden! Jetzt müssen „nur noch“ die zuständigen Stellen (BAMF und Ausländerbehörde) ihre Stempel machen und die Familie kann hier her kommen. Mit großem Einsatz sind wir dabei der Familie hier ein Nest zu bauen. Auch hier sind viele sehr hilfreich und schnell bereit zu unterstützen. Ich hoffe, wir können bald an den Flughafen fahren und die Mutter mit den Kindern nach Röbel holen.

Ich wünsche mir, das die dunkelste Zeit für die Familie vorbei ist und es für sie immer heller wird, wie für uns im Advent. Das Wort Advent bedeutet „Ankunft“.

In diesem Sinn allen eine schöne Vorweihnachtszeit.

Heike Zoch

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