Newsletter 25.10.2015

Jeder neue Tag bringt neue Überraschungen. In der letzten Woche hat sich bei uns wieder einiges getan. Wieder ein wichtiger Anwaltsbesuch war abzudecken und zu begleiten. Für die Betroffenen tut sich ein schwerer, u.U. jahrelanger Weg durch die Asylgesetzgebung auf. Um so wichtiger, dass die Begleitung verlässlich und auf Dauer angelegt ist. Bei allen Patenschaften und Begleitungen begegnet uns diese Notwendigkeit sehr schnell und eindringlich. Es muss auf lange Zeit angelegt sein und bedeutet sich wirklich ein zu lassen. Integration wird uns noch Jahre beschäftigen und wir haben erst angefangen an einer gemeinsamen Zukunft zu bauen.

Seit Mittwoch haben wir den Schlüssel zu den neuen Räumen in der Warener Chausee 3 in Röbel, um unsere Sachspendenaktion auszubauen und  zu organisieren. Uns wurden vom CD-Werk Regale geschenkt, die dafür sehr nützlich sein werden. Mit Hochdruck sind viele Hände dabei, aus den Räumlichkeiten bei der AWO auszuziehen und die vielen Spenden an vielen Orten abzuholen. Sicherlich können wir demnächst auch Öffnungszeiten zum Ausgeben der Sachen nennen.

Am Donnerstag fand ein Treffen im Rathaus mit einem Herrn von der Arbeitsagentur statt, in dem informiert wurde, das von offizieller Seite nun auch Deutschkurse angeboten werden. Die Aktion läuft am 1.11.15 an und soll bis 31.12.15 dauern. Das Stundenvolumen beträgt Unterrichtseinheiten zu je 45 min. Der Kurs ist freiwillig. Organisieren und durchführen werden diese Kurse Bildungsträger aus der Region. Dabei sind noch viele Fragen ungeklärt. Z.B. haben nur Menschen mit einer guten Bleibeperspektive ein Zugangsrecht zu diesem Kurs. Das sind Menschen aus den Ländern Irak, Iran, Syrien und Eriträa.

Von offizieller Seite wurden endlich klare Informationen zur Anzahl der geflüchteten Menschen gemacht: In Röbel leben z.Z. 99 Menschen. Bis Jahresende werden es 120 sein. Im Röbel Amt leben aktuell 108 Menschen. Bis Jahresende werden 294 Menschen hier leben. Die Menschen werden schwerpunktmäßig in Röbel untergebracht und dann in den Röbel am nächsten gelegenen Kommunen. Erst, wenn das nicht ausreicht, wird man in die Fläche gehen. Große Fragen entstehen dabei zum Thema Mobilität und die Möglichkeit der Menschen sich in allen Belangen zu versorgen. Eine Jugendherberge im Röbel Amt wird in den Monaten November 15 bis Februar 16 mit ca 60 geflüchteten Menschen belegt. Das soll eine Winterunterkunft sein, aus der die Menschen im Frühjahr in andere Unterkünfte wechseln sollen. Es ist noch sehr viel Aufklärungsarbeit mit den alteingesessenen Bürgern zu leisten, die mitunter sehr diffuse und von Gerüchten und rechter Demagogie geschürte Vorurteile und Ängste haben.

Ein konkretes Schicksal in Röbel möchte ich hier anonymisiert vorstellen:

 

Sehr geehrter Herr Dr. L., (Deutscher Botschafter), Unicef, Landesregierung MV,
als Gesamtkoordinatorin der Bürgerinitiative ridato Flüchtlingshilfe Röbel und Patin einer Familie möchte ich Sie heute um Hilfe bitten. Wir leben und arbeiten in Röbel an der Müritz, in Mecklenburg- Vorpommern. Seit etwa 1,5 Jahren lebt in unserer Gemeinde ein geflüchteter Mann. Seine Familie ist nach einem Aufenthalt in einem Flüchtlingslager, in einem arabischen Land  gestrandet. Zu der Familie gehören, neben der Mutter noch drei Kinder im Alter von 6,4 und 3 Jahren. Der Mann und seine Familie müssen das ganze Prozedere der ausländerrechtlichen Behandlung in Deutschland durchlaufen. Es gilt als sicher, dass ihm der Status Flüchtling nach der Genfer Flüchlingskonvention zuerkannt wird. Die Frau und die Kinder leben ohne Hilfen. Das jüngste Kind ist schwer krank und behindert. Um was es sich bei der Erkrankung des Kindes handelt ist in den arabischen Staaten nicht feststellbar. Das Kind muss allerdings oft, auf Kosten der Familie, klinisch behandelt werden. Die lange Zeit, in der sie auf die Bearbeitung ihrer Anträge und die formelle Abwicklung ihrer Angelegenheit warten müssen, laugt alle Beteiligten aus. Der Zustand des Kleinen verschärft sich. Die beiden anderen Kinder leiden unter der Situation ebenfalls erheblich. Die Mutter ist am Ende ihrer Kraft.

Unser Ziel ist nun, so schnell als möglich den positiven Bescheid für den Mann zu erreichen und so schnell wie möglich den Antrag auf Nachzug der Familie zu stellen. Legalisierte Papiere zur Ausreise liegen vor. Auch Kontakt zur deutschen Botschaft wurde schon aufgenommen. Ich habe größte Bedenken, wie der Zeitraum der Bearbeitung all der Anträge von der Frau und den Kindern weiter überstanden werden soll. Ich suche nach Hilfsmöglichkeiten für die Familie und möchte die Ankunft, im Besonderen für den Kleinen, der Familie vorbereiten. Mit Sicherheit muss das Kind umgehend in ärztliche Obhut. Ob es transportfähig in einem normalen Flieger ist weiß ich nicht.

Können Sie mir mögliche Hilfen, Helfer etc nennen, die vielleicht sogar vor Ort helfen können? Mein Ansinnen ist, die Familie so schnell als irgend möglich aus der derzeitigen Situation heraus zu holen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mit mir Kontakt aufnehmen würden und uns helfen einen schnellen Weg für das Kind und seine Familie zu finden ,dass sie sich wieder in die Arme schliessen können und der kleine Junge endlich eine adäquate Behandlung bekommt. Völlig offen ist derzeit auch noch die Finanzierung der Flugkosten für die Familie. Daher meine Bitte, vielleicht auch im Blick auf Weihnachten, ob hier finanzielle Hilfe möglich ist.

Herzlich, ridato, Heike Zoch

 

Mit den besten Wünschen für eine gute nächste Woche, verbleibe ich mit herzlichen Grüßen, 

Heike Zoch