Newsletter vom 25.11.2016

Erinnern Sie sich noch, als Sie die ersten Fremden in Röbel gesehen haben? Die Bilder aus dem Fernsehen waren auf einmal so nahe. Das Leid so greifbar…

Der Anfang war leise. Eine syrische Familie mit drei Kindern. Eine albanische Familie mit zwei Söhnen, eine ukrainische Familie mit drei Kindern, einige einzelne Männer aus Syrien und Somalia. Hier und da half ein freundlicher Nachbar. Dann ein wöchentlicher Deutschkurs, ehrenamtlich natürlich, als erstes größeres Hilfsangebot an die gestrandeten Menschen. Unerkannt von der Öffentlichkeit, alles still und leise. Dann ging es Schlag auf Schlag und die Not wurde größer. Ein Stamm von ehrenamtlichen Helfern traf sich regelmäßig. Der Helferkreis brauchte einen griffigen Namen für die Öffentlichkeitsarbeit. ridato – das ist heute ein fester Begriff in der Szene, und das in ganz M-V.

 

Höhepunkt der noch recht unorganisierten Hilfe war die überfallartige Zuweisung von 24 Menschen an einem dunklen Donnerstag im November in den Wünnowweg. Menschen mit kurzen Hosen und Badelatschen. Im November! Mitten in Deutschland! Am Anfang ging es um ganz pragmatische Hilfe. Es fehlten Schuhe, Teller, Tassen, Kinderkleidung. Helfer wie Hilfesuchende mussten sich orientieren. Staatliche Stellen versagten oder waren hoffnungslos überfordert. Erst langsam griffen Strukturen. Da hatten wir in Röbel schon längst eine Kleiderkammer aufgebaut, die sich nach und nach zu einem Treffpunkt für Hilfesuchende und Hilfe Anbietende ausgebaut hat. Die Deutschkurse wurden erweitert. Eine Internetseite folgte. Familienpatenschaften wurden übernommen. Unbegleitete Minderjährige fanden feste Bezugspersonen, denen sie bis heute vertrauen.

 

Die Welle der Hilfsbereitschaft war 2015 und auch Anfang des Jahres groß. Spendengelder für unsere Arbeit flossen reichlich. Dank eines bundesweiten Medienechos konnte Osama Al Taleb seine Frau und seine 3 Kinder, darunter den schwerkranken Kenan, im Dezember in seine Arme schließen. Über 3.400 € Spendengelder ermöglichten den Kauf der Flugtickets und Teile der Wohnungseinrichtung. Für Anwaltskosten und medizinische Dolmetschertätigkeiten wurden bisher insgesamt 1.250 € ausgegeben. Auch wenn ein Großteil der Fahrkosten zu Ärzten, Anwälten, Behörden nicht abgerechnet wurde, sind immer noch 828 € an Dritte erstattet worden. Aus Spendengeldern wurden die ersten Schulmaterialen gekauft. Aus Spendengeldern wurden auch Kühlschränke gefüllt, denn bei Familiennachzügen dauert es manchmal lange, bis Geld für alle da ist. Aus Spendengeldern wurden Dutzende von Fahrrädern überholt und repariert. Wir konnten mit Unterstützung der Stadt Röbel, des Vereins Land & Leute und vieler anderer 2015 eine schöne deutsche Adventsfeier mit über 100 Beteiligten feiern. Unvergessen ist unser Sommerfest im Mai am Hafen. Ferienpässe (5 x 30 €) ermöglichten es den Kindern in den Sommerferien wenigstens ein bisschen Spaß zu haben. Mit großem Einsatz haben acht kleine und große Nichtschwimmer ihr Seepferdchen gemacht und können nun zu unser aller Erleichterung gefahrlos die seenreiche Landschaft erkunden. (8 x 80 €). Gerade waren die Clowns des Öko-Hauses Rostock in Röbel zu Gast und haben viel Spaß bereitet.

 

All das hat viel Geld gekostet. Insgesamt wurden von August 2015 bis September 2016 insgesamt 8.783,74 € Spendengelder, davon 3.465 € zweckgebunden, eingenommen. Die belegbaren, abgerechneten Ausgaben belaufen sich auf 8.085,91 €. (Ein Posten ist noch offen, so dass tatsächlich noch gut 200 € vorhanden sind.) Nicht mitgerechnet sind dabei viele Sach- und Verzichtsspenden, die von Einzelnen getragen wurden.

 

Im Sommer 2016 kippte die Stimmung merklich. Erstmals mussten wir uns rechtfertigen für unser Tun. Die Landtagswahl im September zeigte dann die Dramatik der Lage. Unsere Gesellschaft ist gespalten. Es gibt keine wirklichen Konzepte für den Umgang mit der neuen Völkerwanderung. Viele Menschen haben Angst vor dem Unbekannten, vor eigenem sozialen Abstieg zugunsten „der Fremden“. Immer öfter hört man den Satz: „…aber für Flüchtlinge ist Geld da“. Immer öfter stoßen wir und vor allem unsere Neubürger auf Ablehnung, üble Nachrede und Beschimpfungen. Etwas , was wir auch, oder gerade in einer Demokratie, aushalten müssen. Denn unsere Aufgaben sind nicht weniger, nur andere geworden. Nun brauchen Flüchtlinge, von denen viele längst Angekommene sind, Unterstützung bei Wohnungs- und Arbeitssuche, sowie Behördengängen für Familienzusammenführungen. Sie suchen Hilfe für individuellen Deutschunterricht, denn das in den Kursen Gelernte reicht einigen nicht. Manchmal ist es gut, einfach nur da zu sein und die Zeit des Grübelns, das Warten auf den Titel, den Pass, die Familie zu verkürzen. Nicht alle werden in Röbel bleiben, viele würden es aber gern. Sie fühlen sich hier zuhause. Zurzeit leben etwa 80 Flüchtlinge im Amt Röbel-Müritz. Im Dezember wird eine weitere Familie komplett werden, wenn Frau und 3 Kinder kommen. Anfang des Jahres folgen weitere Kinder und Frauen.

 

Am 8. Dezember werden wir gemeinsam eine Adventsfeier mit Stollen, Lebkuchen und arabischem Essen feiern. Für Januar ist ein Filmabend in der Synagoge geplant, der das Thema Flucht aufgreift. Der Schachklub Röbel/Bollewick soll wieder aufleben. Es gibt Ideen für einen philosophischen Zirkel. Dinge, die für alle Menschen in Röbel und Umgebung interessant sind. Dinge, die das Leben in unserer Stadt für alle Menschen bereichern.

 

Seien Sie herzlich eingeladen mit uns zu lachen, zu weinen, zu kämpfen, die Welt bunter zu machen. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Zeit- oder Geldspende. Wir freuen uns auf Sie und danken für alle bisherige Unterstützung.

 

Kathrin Grumbach

für ridato Flüchtlingsinitiative Röbel

 

Spendenkonto:

ridato Flüchtlingsinitiative Röbel
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