2017 – neues Jahr, neue Wege

Es dürfte sich herumgesprochen haben, dass wir unser „Wohnzimmer“ Synagoge, das uns 19 Monate lang ein Treffpunkt war, verloren haben. Wir haben alles versucht, diese Entscheidung abzuwenden, aber es war nicht möglich. Die Gründe dafür lagen nicht bei ridato, sondern vielmehr in der unsicheren Fördersituation des Vereins Land & Leute. Wie unserer Treff ohne Anne Zettel, der wir viel zu verdanken haben, gewesen wäre, wissen wir ja auch nicht. Jedenfalls an dieser Stelle allen, die uns das Zusammentreffen im Engelschen Hof ermöglicht haben, nochmal ein herzliches Dankeschön.

 

Von nun an wird die Kleiderkammer in der Warener Chaussee 3 unser Treffpunkt sein. Hier werden wir dann auch den leidigen „Papierkram“ für alle, die das wünschen, erledigen. Da die Kleiderkammer (die mal einen vernünftigen Namen braucht!) eh nicht mehr so stark frequentiert wird, ist es ein guter Zeitpunkt hier multifunktionaler zu werden. Kaffee und Tee gibt es eh immer und ab sofort auch Kuchen oder Kekse. Schaut also ruhig öfter vorbei! Unsere Idee ist es, einen der beiden Öffnungstage zum „Erzähl-Café“, zum Treffpunkt von Alt- und Neubürgern, umzufunktionieren. Jeden 1. Montag des Monats, also am 06. Februar um 17 Uhr trifft sich auch der Helferkreis hier zu seinen Besprechungen, die auch dazu dienen, neue Kontakte zu knüpfen. Wer uns also sucht und seine Mitarbeit oder auch einzelne Aktionen anbieten möchte, ist hier richtig.

 

Sport fördert Gesundheit und Integration

 

Sowohl der PSV (Fußball) als auch der TSV 90 Röbel sind Sportvereine, die der Flüchtlingsintegration von Anfang an positiv gegenüber stehen. Die 4-wöchigen kostenlosen Probezeiten in den einzelnen Kursen (z.B. Schwimmen, Frauensport, Badminton) sind weit überschritten worden. Seit dem Herbst vergangenen Jahres haben auch einige geflüchtete Frauen den Weg in die Turnhalle zum TSV 90 gefunden. Sie wurden von den TSV-Sportlerinnen sehr freundlich aufgenommen und sind bei der gemeinsamen Gymnastik förmlich aufgeblüht. Für einige ist es die einzige Möglichkeit, einmal pro Woche fernab der häuslichen Pflichten ganz sie selbst zu sein und in Kontakt mit deutschen Frauen zu treten. So geht Integration!

 

Für Familien mit kleinen Kindern ist das Kinderturnen am Montag um 15.30 Uhr eine willkommene Abwechslung und Kontaktbörse zugleich. Hier sind erste Anfänge gemacht. Bei Kindern und Jugendlichen besteht die Möglichkeit, die Teilnehmergebühren über die Bildungs- und Teilhabe-Mittel abzurechnen. Erwachsene müssen ab Januar die ganz normalen Kosten selbst tragen. Der TSV 90 muss auch von den Flüchtlingsfrauen den vollen Jahresbeitrag erheben (75 EUR + 10 EUR Aufnahmegebühr + 5 € je besuchtem Kurs), was für einige eine große Herausforderung ist. Wir denken darüber nach, wie wir die sportliche Integration weiter fördern können.

 

Spielen fördert Kontakte und Integration

 

Darum ist es sehr schön, dass es dank der Beharrlichkeit von Hans Joachim Joergens aus Bollewick nun klappt, einen Spiele-Nachmittag zu etablieren. Mit dem neuen Wohn- und Pflegezentrum der AWO am Töpferwall wurde ein Partner gefunden, der uns Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. Jeweils am 1. Donnerstag im Monat, also erstmals am 02. Februar, von 15.30 bis 17.00 Uhr geht es nicht nur um Schach, sondern auch um Brett- und andere Spiele in munterer Runde. Teilnehmen können selbstverständlich alle, die wollen, d. h. AWO-Heimbewohner, ridato-Teilnehmer und überhaupt alle vom Kind bis zur Uroma. Also bitte weitersagen, Leute gezielt ansprechen und sie aus ihrer Isolation herausholen. Dieses gilt ausdrücklich für Menschen jeder Nationalität, also auch für Deutsche! Die Teilnahme ist kostenlos. Monika Lempe hat dazu einen Flyer entworfen, der an wichtigen Stellen verteilt wird und über facebook (Röbel hilft) geteilt werden kann.

 

Erste Abschlüsse B1 geschafft!

 

Stolz können die Ersten auf ihr B1-Zertifikat sein. Denn es war schwerer als gedacht und darum ein besonderer Dank an alle, die noch nach den Sprachkursen privaten Deutsch-Unterricht gegeben haben und auch weiter geben. Viele Kursteilnehmer müssen leider eine Ehrenrunde drehen. Meist lag es am Schreiben und an der Schnelligkeit beim Hören und Verstehen. Wie wir gerade vom Jobcenter Neubrandenburg erfahren, wird es ab Ende März 2017 in Waren einen Deutsch-Fortsetzungskurs mit dem Abschluss B 2 geben. Die Zuweisung erfolgt über das zuständige Jobcenter. Voraussetzung für den Kurs ist der erfolgreiche Abschluss des Integrationskurses mit B1-Level.

 

Nichtsdestotrotz ist das „Wie nun weiter?“ die brennendste Frage in allen Gesprächen. Wer kann, darf und will eine Ausbildung machen? Und wenn ja, welche? Reicht B1 oder muss es B2 sein? Wie kann ich meine Studienabschlüsse anerkennen lassen und lohnt sich das? Fragen über Fragen, die mit der beruflichen Zukunft und damit auch finanziellen Selbständigkeit zu tun haben. Darum ist es wichtig, dass alle Ausbildungswilligen am Dienstag, 31.01.2017 einen Informationstermin im ÜAZ Waren um 14.30 Uhr wahrnehmen, um ihre persönlichen Chancen auszuloten. Die Koordinierung dieses Termins liegt bei Monika Lempe. Es werden noch Freiwillige für die Fahrgemeinschaften gesucht.

 

Post aus Berlin

 

Ein dicker Brief erreichte ridato aus Berlin. Wir konnten es erst gar nicht glauben, aber die Unterschrift war echt. Post von Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich! Sie dankt uns für unsere Arbeit bei der Flüchtlingsbetreuung und Integrationsarbeit und bittet einen Vertreter zu einer Podiumsdiskussion mit anschließendem Empfang im März in das Bundeskanzleramt. Wir werden gemeinsam beraten, wen wir entsenden werden. Es ist schon eine große Ehre, als so kleine Initiative bedacht zu werden. Das ist Balsam für die angegangene Seele. Denn nicht immer ist unsere Arbeit einfach oder gar von Erfolg gekrönt.

Die stillen Glücksmomente, wenn eine Familienzusammenführung gelingt (je einmal im Dezember und Januar), sind selten. Momentan überwiegt in vielen Einzelfällen die Rat- und Hoffnungslosigkeit. Und der Papierkrieg.

 

Für ridato

Kathrin Grumbach