Newsletter 22.03.2016

Seit fast einem Jahr setzen wir freiwillige Helfer uns nun ehrenamtlich für die Geflüchteten, die nach Röbel gekommen sind, ein. Viele Erfahrungen haben wir gemacht, gute und auch weniger gute, die unser Verständnis für die besondere Situation der Betroffenen herausgefordert haben. Manchmal machte und macht uns Helfern und den Geflüchteten auch die Bürokratie mit den sich schnell ändernden Vorschriften das Leben schwer. Dennoch: Die Helfer von ridato haben dabei getreu ihrem Motto das Lächeln nie verlernt – und von den Geflüchteten dafür Wertschätzung und Verbundenheit erfahren. Dass es in unserem Land immer noch Menschen gibt, die den Flüchtlingen mit Furcht und Unverständnis gegenüber stehen, macht uns traurig. Und wir fragen nach den Ursachen.

Jenny Erpenbeck erzählt in ihrem empfehlenswerten Roman GEHEN, GING, GEGANGEN (erschienen im Knaus-Verlag, 5. Aufl. 2015) einfühlsam von Flüchtlingsschicksalen und bringt es auf den Punkt. Zitat:

„Ist nun schon der so lange andauernde Frieden daran schuld, dass eine neue Generation von Politikern offenbar glaubt, am Ende der Geschichte angekommen zu sein, glaubt es sei möglich, all das, was auf Bewegung hinausläuft, mit Gewalt zu unterbinden? Oder hat die weite räumliche Entfernung von den Kriegen der anderen bei den unbehelligt Bleibenden zu Erfahrungsarmut geführt, so wie andere Menschen an Blutarmut leiden? Führt der Frieden, den sich die Menschheit zu allen Zeiten herbeigesehnt hat und der nur in so wenigen Gegenden der Welt bisher verwirklicht ist, denn nur dazu, dass er mit Zufluchtsuchenden nicht geteilt, sondern so aggressiv verteidigt wird, dass er beinahe schon selbst wie Krieg aussieht?“

Worte, die zum Nachdenken anregen – ebenso wie dieses Video, das unter die Haut geht:

https://www.youtube.com/watch?v=IQBncz9RmqA

Allen Bürgern Röbels, den neu hinzugekommenen wie den alteingesessenen, wünschen wir geruhsame, friedliche Osterfeiertage, harmonische Familientreffen, Zeit zum Verschenken an die Lieben und ein bisschen Zeit auch für sich selbst. Vielleicht gelingt es Ihnen sogar, unsere Neubürger in unsere österlichen Gepflogenheiten mit einzubeziehen, z. B. beim Osterfeuer?

 

Fröhliche Ostern

Monika Lempe

ridato – Flüchtlingshilfe Röbel/Müritz