Quo vadis ridato?

Die Röbeler Geflüchteten werden flügge. Die meisten von ihnen finden sich nun dank der erworbenen Sprachkenntnisse und der in der Anfangsphase geleisteten Begleitung weitgehend selbst zurecht. Anders die unbegleiteten Minderjährigen, die weiterhin unserer Fürsorge bedürfen. Einer der unbegleiteten Minderjährigen ist in eine liebevolle Röbeler Gastfamilie aufgenommen worden. Die Nestwärme tut ihm gut und fördert einen geordneten Tagesablauf.

Schwierig ist die Situation der Familien, die weiterhin in Unsicherheit leben, was ihre Zukunft in Deutschland betrifft. Hier ist nach wie vor eine fundierte Begleitung und oft auch seelischer Beistand erforderlich.

Die ridato-Kleiderkammer dient gegenwärtig überwiegend als Kommunikationsraum. Die Haushalte sind inzwischen mit allem Notwendigen ausgestattet, die Geflüchteten sind in punkto Kleidung bestens versorgt. Und es ist nicht zu übersehen: Sie werden mittlerweile auch anspruchsvoller.

Eine nur verschwindende Minderheit der Geflüchteten ist in Lohn und Arbeit oder hat eine Ausbildung begonnen. Von dem hierbei erzielten Entgelt werden manchmal die Familien unterstützt, die noch in Flüchtlingslagern rund um Syrien ausharren. Auch das kann motivieren.

Die meisten Migranten müssen noch ihren erfolgreichen B1-Abschluss abwarten, bevor es in die Berufstätigkeit geht. Die Anforderungen scheinen schwierig: Nur drei Kursteilnehmer haben im ersten Anlauf das Sprachniveau B 1 erreicht, einige drehen eine Ehrenrunde. Der Röbeler Integrationskurs wird planmäßig im Juni 2017 die Prüfung ablegen. Die ridato-Deutschlehrerinnen geben – wo gewünscht – Nachhilfe, um Lücken zu schließen. Bei den Analphabeten ist dieses Bemühen fast aussichtslos.

In Waren beginnt am 24. April 2017 ein Fortsetzungskurs zum Erreichen des B2-Niveaus der deutschen Sprache. Voraussetzung für die Teilnahme ist aber das Bestehen der B1-Prüfung, weshalb die Zahl der Teilnehmer aus Röbel überschaubar ist, s.o.

Wir sehen, dass manchen der jungen Migranten die hinsichtlich Unterricht, Beruf und Ausbildung notwendige Selbstdisziplin schwerzufallen scheint. Es bleibt abzuwarten, ob durch eigene Erfahrung ein Sinneswandel einsetzt. Andernfalls wird eine Eingliederung in unsere Berufswelt für viele eine große Hürde darstellen. Die mitunter langen Wartezeiten bis zur Anerkennung als Flüchtling und bis zum Start in den verpflichtenden Integrationskurs, während der die Migranten keinerlei Beschäftigung nachgehen durften, haben Spuren hinterlassen.

Ratlos bleiben Helfer/-innen zurück, wenn der seit vielen Monaten erfolgreich betreute Geflüchtete plötzlich ohne Begründung und Erklärung einseitig den Kontakt abbricht. Das wirft Fragen auf: Verfolgen wir noch die richtigen Ansätze bei der Hilfe zur Selbsthilfe? Wird diese überhaupt (noch) gewünscht? Wurde ein Zuviel an Fürsorge als Bevormundung empfunden? Welches Bild haben die Migranten von den ridato-Helfer/-innen: Familienersatz, Mentor oder Dienstbote? Fragen, die aufgrund einer gewissen Zurückhaltung seitens der Geflüchteten vorerst unbeantwortet bleiben.

Von den Anfang 2016 im Amt Röbel gemeldeten 237 Geflüchteten sind derzeit nur noch rund 70 hier. Etliche von ihnen wollen auch in die Metropolen übersiedeln, weil sie sich dort mehr berufliche Chancen erhoffen, ihre Ernährungsgewohnheiten besser umsetzen und in der Community ihrer Landsleute in gewohnten Strukturen leben können.

Wir halten also fest: Die Zahl der im Amt Röbel lebenden Migranten nimmt ab. Viele der Geflüchteten benötigen immer weniger unsere Unterstützung. Angebotene gemeinsame Freizeitaktivitäten werden häufig nicht mehr angenommen, integrative Angebote ausgeschlagen. Wir müssen miteinander reden! Für ridato stellt sich die Frage: quo vadis?

Monika Lempe
für ridato-Flüchtlingsinitiative Röbel/Müritz
(3. April 2017)